Der Oberländische Kanal in Ostpreußen

Nachdem bereits im 14. Jahrhundert die Einwohner der Stadt Saalfeld einen Kanal zwischen dem Ewing- und dem Geserichsee angelegt hatten, stellten sich rund 500 Jahre später bei dem Versuch,  Deutsch Eylau und Elbing miteinander zu verbinden, nicht nur das Land, sondern auch das Wasser in die Quere.
Liegen doch die Oberländischen Seen nicht nur viel höher als der einst vom Frischen Haff abgetrennte Drausensee, sondern ihr Spiegel war auch noch von See zu See verschieden.
Während dieses Problem durch Absenkung des Wassers gelöst werden konnte, war der Verbund mit dem Drausensee weder auf diese Art noch mittels Schleusen möglich. Auf nicht einmal acht Kilometern Länge hätte man 104 Meter Höhenunterschied überwinden müssen. So kam Baurat Georg Steenke auf die Idee, in den Kanal vier (später fünf) "Rollberge"einzusetzen, das heißt, zwei dachförmig aufeinander zulaufende schräge Ebenen von ungleicher Länge, auf denen
die Schiffe hinaufgezogen beziehungsweise heruntergelassen werden. Die Spurweite der beiden parallel verlaufenden Schienenstränge entspricht jener der Bahn. Die beiden Gitterwagen, die an jeder dieser "Geneigten Ebenen" bereitstehen, um die Schiffe huckepack zu nehmen, sind etwa zwanzig Meter lang und
Doch der preußische König (Friedrich Wilhelm III), dem Steenke seine Pläne vortrug, dachte zunächst an das Geld, das deren Verwirklichung kosten würde. Erst der Hinweis darauf, dass eine solche Anlage weltweit ohne Beispiel wäre (Vergleichbares gibt es nur am Morriskanal in den USA), soll ihn umgestimmt haben. Immerhin musste er über drei Millionen Mark auf den Tisch legen. Diese Ausgabe hat sich allerdings mehr als gelohnt. Funktioniert doch diese auch ökologisch beispielhafte Anlage nun schon 150 Jahre ohne Probleme.
Alles ist natürlich nicht beim Alten geblieben. So diente der Kanal anfangs ausschließlich zur Güterbeförderung. Auf der Talfahrt nach Elbing hatten die Schiffe Getreide, Holz, Feldfrüchte und Stückgut im Bauch. Auf der Bergfahrt ins Oberland waren es Steinkohle, Eisen. Gips und andere Baumaterialien. Durch den verstärkten Ausbau des Bahnnetzes wurde dem Kanal zwar nicht das Wasser abgeschnitten, wohl aber die zahlende Kundschaft genommen. Doch anstatt ihn aufzugeben, machte man aus der Not eine Tugend und erschloss ihn für die Passagierschifffahrt.

Vom Drausensee bis nach Deutsch-Eylau sind es insgesamt rund 175 Kilometer. Davon entfällt der weitaus größere Teil der Strecke auf Seen.
An Kanalstrecke hatte man nur 45 Kilometer zu graben. Die Fahrrinne ist an der schmalsten Stelle noch über 16 Meter breit. Fast ebenso stark sind die Dämme. Spektakulärster Bauabschnitt ist jener durch den Abiskarsee. Da dessen Wasserspiegel nach der Absenkung noch über einen Meter unter dem Niveau der anderen Seen lag, musste ein riesiger Erddamm, der an seiner höchsten Stelle 20 Meter misst und rund 40 Meter breit ist, aufgeschüttet und in diesen der Kanal gegraben werden.
Die Ausflugsschiffe legen sowohl von Elbing als auch von Osterode ab und sind dann von morgens bis abends unterwegs.
drei Meter breit. Durch ein "Seil ohne Ende" miteinander verbunden, fahren sie im Gegenverkehr. Für die zu ihrer Fortbewegung benötigte Kraft sorgt alleine das Wasser. Zu jeder "Geneigten Ebene" gehört ein Maschinenhaus mit je einem mächtigen Wasserrad, das - nachdem das Schiff auf den Wagen aufgelaufen und vertäut worden ist - Zulauf bekommt und die Seilwinde in Bewegung setzt.

Den Oberländischen Kanal bei Buchwalde besuchte ich im Rahmen einer Fototour im Jahre 2005.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Bilderbuch für Kinder "Mia findet Antworten" der Justizvollzugsanstalt Uelzen jetzt publiziert

Die Kapitulation bei Lüneburg am 04.05.1945 auf dem Timeloberg und das britische Hauptquartier in der Villa Möllering

Bildband "Der Erste Weltkrieg in Farbe"